Auf Basis eines Nissan Evalia

Verbraucher

Wieviel Strom benötige ich/ Wie groß muss meine Batterie sein, wenn ich eine Nacht autark sein möchte? Grundlage für meine Berechnung war folgendes Szenario: Morgens los, 1 Nacht Wildcampen, Abends am nächsten Campingplatz.

  • 4 Stunden Autofahren
  • 9 Stunden Schlafen
  • 8 Stunden Auto steht irgendwo
  • 8 Stunden Camperleben am Auto (Kochen, Licht, Musik …)

Von den im Auto eingebauten 12V Verbrauchern ist eigentlich nur der Kühlschrank relevant. Licht, Dusche und Handyladegerät werden entweder nur kurz genutzt oder benötigen nicht viel Strom. Für 21h Kühlschrankbetrieb werden etwa 50Ah benötigt, wobei dieser Wert von der Umgebungstemperatur abhängt. In Norwegen hat der Kühlschrank fast keinen Strom benötigt :-)

Um den errechneten Strombedarf von 50 Ah decken zu können, habe ich mich für eine Kombination aus mehreren Stromquellen entschieden:

  • AGM Batterie: 85Ah (Zyklenfest, keine normale Autobatterie)
  • Batterieladegerät für 220V, 120W, CTEK MXS 10
  • Solarpanel 60W, im Koffer und mit Laderegler
  • Strombegrenzer zum Laden während der Autofahrt, ca. 40W
Batterie, Ladegerät und Solarpanel während des Ausbaus Batterie, Ladegerät und Solarpanel während des Ausbaus

Physikunterricht

Wer sich noch an den Physikunterricht erinnern kann: Leistung (W) = Spannung (V) x Stromstärke (A)

Der für die Batterie relevante Wert ist dabei die Amperestunde (Ah). 1 Ampere über 1 Stunde entspricht dabei einer Amperestunde.

1 Wattstunde entspricht 1 Watt Leistung über 1 Stunde.

Bei einer 12V Batterie entspricht 1 Ah somit 12 Wh

Batterie

Bleibatterien, wozu auch die von mir verwendete AGM Batterie zählt, sollten möglichst wenig entladen werden. Am besten nie unter 50%. Mehr dazu in der Bedienungsanleitung meiner Batterie: AGM Professional 85Ah Wohnmobil Batterie

Bei einem Strombedarf von 50Ah ist die Batterie in der Theorie knapp bemessen. In der Praxis bin ich bisher immer gut durchgekommen. Auf einem Campingplatz gab es einmal keinen Strom. 4 Tage Camping mit Solarpanel waren kein Problem. Länger hätte es aber auch nicht gereicht. Auch 1 Tag ohne Solarpanel geht hervorragend, ohne dass die Batterie die „50%-Marke“ unterschreitet. In der Praxis scheint der Kühlschrank bei mir eher etwas weniger Strom zu benötigen, als beschrieben und gedacht.

Batterieladegerät

Das Batterieladegerät ist ein gut Bewertetes von Amazon. Eine höhere Ladeleistung benötige ich nicht. Das Auto kann ruhig über Nacht laden.

Solarpanel

Das Solarpanel zum Aufklappen besitzt auch einen eingebauten Laderegler, der zwar simpel, aber ausreichend ist. AGM Batterien haben typischerweise eine Ladespannung von 14,7 V, dies erreicht der Laderegler jedoch nicht. Resultat: Die Batterie kann damit nicht ganz geladen werden, zudem ist es nicht gerade batterieschonend. Das Solarpanel wird aber eher dazu benutzt um den Strom für den Kühlschrank zu liefern als die Batterie aufzuladen, daher habe ich mich entschieden hier nichts zu ändern.

Ein faltbares, in einen Koffer eingebautes Solarpanel muss nicht am Auto fixiert werden und kann immer optimal auf die Sonne ausgerichtet werden.

Laden während der Autofahrt

Würde ich einfach eine Bordsteckdose (12V) mit der Campingbatterie verbinden, können hohe Stromstärken auftreten, was die Sicherung durchbrennen lassen würde.

Herkömmliche Ladegeräte, beispielsweise ein LB 25 von Büttner sind relativ teuer und benötigen eine eigene Verkabelung von der Lichtmaschine zum Ladegerät und dann zur Campingbatterie. Dafür bieten diese auch optimale Ladekennlinien und eine schnelle Batterieladung.

Bei der Elektronik zum Laden während der Fahrt habe ich mich für eine ungewöhnliche Lösung entschieden: Nachladesystem.
Die Verkabelung ist sehr einfach, da aufgrund der geringen Strommenge eine Bordsteckdose genutzt werden kann. Immer wenn die Batterie weniger als 75% Kapazität hatte, habe ich den "Nachladestecker" eingesteckt und damit über die Lichtmaschine des Autos die Campingbatterie etwas geladen.

Interessant ist, dass die Stromspannung des Autos während der Fahrt bei gleichzeitiger Kühlschranknutzung  und Nachladen der Campingbatterie zeitweise unter 13V sinkt. Die Lichtmaschine scheint nicht gerade die Stärkste zu sein. Vermutlich verkauft VW für seine Camper nicht umsonst stärkere Lichtmaschinen gegen Aufpreis. In der Praxis habe ich damit jedoch auch nach bis zu 5 Tagen ohne Strom von einem Campingplatz und nur durch Solar- oder Autoladung kein Problem gehabt.

Praxisbericht nach 2 Jahren

Die gewählte Lösung funktioniert, Heute würde ich mich jedoch für eine hochwertigere Lösung für die Ladung über das Solarpanel sowie während der Autofahrt entscheiden. Die im Auto verbauten Verbraucher benötigen so wenig Strom, dass die 2-5 Euro für Strom auf dem Campingplatz eigentlich verschwendung sind. Zudem bekommt man oft einen schöneren Platz wenn man nicht auf Strom angewiesen ist.

Kosten für Batterie, Ladegerät, Sicherungspanel, Kabel, Kleinteile: ca. 450 Euro

Kosten für Solarpanel: ca. 200 Euro

Kosten für Nachladesystem: ca. 30 Euro